Perlen Geschichte

Welche Rolle spielten Perlen in der Antike?
Perlen haben eine wirklich lange Geschichte . Diese Geschichte beginnt vor  tausenden Jahren, lange bevor Menschen die ersten Zuchtperlen zu kultivierten lernten. So weisen bereits im Jahr 5000 vor Christus erste chinesische Aufzeichnungen auf wertvollen Perlenschmuck des Kaisers hin. Damals waren Perlen selbstverständlich nur Herrschern vorbehalten.

Übrigens waren es auch nicht die Naturperlen, welche die Menschen zuerst trugen, sondern vermutlich kleine Muscheln und Perlmutt aus der Muschelschale. So ist bekannt, dass die Südseebewohner schon seit Tausenden von Jahren Muscheln zur Bezahlung verwendeten. Man kann wohl annehmen, dass das Glitzern der Innenseite einer Muschel den  Menschen schon immer in seinen Bann gezogen hat. Daher steht nicht die Perle am Anfang dieser Geschichte, sondern wohl eher der Perlmutt, bzw. die Perlenmuschel. Kunstgewerbliche Gegenstände aus Perlmutt sind nämlich ebenfalls schon sehr lange bekannt. Der Name Perlmutt kommt übrigens daher, weil in den englischsprachigen Ländern immer von der "mother of pearl" gesprochen wurde. Auf Deutsch übersetzt ist es die "Mutter der Perle", woraus sich der heutige Name" Perlenmutter oder Perlmutt" entwickelte.

Zurück zu den Perlen : Man muss sich vorstellen, dass Perlen zu jener Zeit nur zufällig gefunden wurden, denn Zuchtperlen gab es ja noch nicht. Es gab lediglich Naturperlen (auch Orientperlen genannt), welche mit dem Einsatz der Gesundheit ertaucht werden mussten. Perlentauchen war und ist immer noch lebensgefährlich und so entstand übrigens auch der Spruch "Perlen sind Tränen". Denn viele Perlentaucher sind ein Opfer der Taucherkrankheit oder hungriger Haie geworden. Die Freuden der Perlenträger waren daher leider viel zu oft die Tränen der Perlentaucher-Familien.

Nur jede hundertste Perlenmuschel besaß wohl eine zufällig entstandene Naturperle. Rund und schön waren diese Perlen trotzdem nicht. Der Großteil der ertauchten Naturperlen hatte eher eine unrunde Form und fast keinen Lüster. Eine Kette aus schönen, runden Naturperlen, mit sichtbarem Lüster, war daher ein Zeichen wirklich großen Reichtums. So dienten Perlen immer schon als Statussymbol und um den Machtanspruch der Träger zu demonstrieren. Im Unterschied zur heutigen Zeit, trugen aber früher auch Männer Perlen und Perlenschmuck.

Grundsätzlich können Naturperlen in den meisten Muscheln der gemäßigten Regionen dieser Welt gefunden werden. Daher sind die Chinesen nicht die einzigen Menschen, welche eine lange Perlengeschichte haben. Auch die Inder, Römer, Griechen und Araber haben Perlen ertaucht und gehandelt. In der Indischen Mythologie behauptet man sogar, dass Gott Krishna die erste Perle der Welt gefunden habe.

Während die Inder den Perlen aber meist spirituelle Fähigkeiten nachsagten, waren die Römer bekannt dafür, mit Perlen zu protzen und den Reichtum dekadent zur Schau zu stellen. So kennt  jeder von uns wohl die berühmte Wette vom Imperator Markus Antonius und Kleopatra, der Königin von Ägypten, wer denn das teuerste Essen präsentieren könne. Kleopatra gewann die Wette, weil sie eine große Naturperle im Werte von angeblich 10 Millionen Sesterzen in Essig auflöste und austrank.

Ob diese Geschichte wirklich so gewesen ist, sei einmal dahingestellt. Der Essig zu jener Zeit hatte wohl höchstens 5% Essigsäure und war damit nicht in der Lage, eine Naturperle vollständig aufzulösen. Da es aber unzählige Berichte von übertriebenem Luxus der Römer gab, gilt als gesichert, dass die Römer und ihre vielen Kaiser immer schon den Perlen zugetan waren. Es gibt zudem Berichte von Plinius dem Älteren, der sein Unbehagen, angesichts der großen Verschwendungssucht der Römer, zum Ausdruck brachte. So wurden vom Kaiser Caligula selbst Pferde und Stiefel mit echten Perlen geschmückt; und man erließ Gesetze, welche es einfachen Bürgern verbat, Perlen zu tragen.

Perlen im Mittelalter
Während man in der Antike darauf bedacht war, mit Perlen seinen Reichtum und seine Macht zu demonstrieren, wurden Perlen im Mittelalter zusätzlich zu spirituellen und religiösen Zwecken verwendet. Es gibt viele Zeichnungen und Gemälde, auf welchen man Adelige oder Kirchenvertreter mit Perlenschmuck erkennen kann. Zudem gibt es einige gut erhaltene Perlen Schmuckstücke aus dieser Zeit. Der Adel trug zwar immer noch gerne Perlengeschmeide, jedoch kann man viel häufiger Perlen auf sakralen Gegenständen, Marienbildern und Devotionalien entdecken. Im Mittelalter ist also eher die Kirche in den Vordergrund der Perlengeschichte gerückt. Berühmt geworden sind die schönen mit Perlen bestickten Marienbilder und Messgewänder der Bischhöfe.

Auch wir Deutschen tauchen jetzt erstmalig in der Geschichte der Perlen auf. Bei uns gab es allerdings keine Orientperlen, sondern "nur" Flussperlen, welche von den hiesigen Mächtigen getragen wurden. Diese Perlen können auch bis zu 20mm groß werden. Flussperlen enstammen einer bei uns heimischen Süßwasser-Perlenmuschel, die über 250 Jahre alt werden kann. Das Entnehmen einer alten Flussperlenmuschel stand damals nur dem Adel und der Kirche zu und wurde sogar mit der Todesstrafe geahndet ! Viele weitere Informationen zu den Flussperlen finden Sie natürlich auch bei uns.

In den angelsächsischen Regionen ist Queen Elisabeth I bekannt geworden für Ihre Liebe zum Perlenschmuck. Sie soll tausende mit Perlen verzierte Kleider besessen und auch gerne gezeigt haben. Es gibt einige Gemälde, welche den Anspruch der englischen Krone mit dem Tragen von Perlenschmuck verknüpfen. Suchen Sie einmal nach den Hannoveraner Perlen / Hannoverschen Perlen und Sie werden staunen, mit welcher Perlenpracht sich der Adel damals zeigte.

Perlen in der Neuzeit
Anfang des 20. Jahrhunderts experimentierte ein Japaner Namens Mikimoto mit runden Muschelkalk-Implantaten und lebenden Perlenmuscheln. Kokichi Mikimoto war nicht nur ein begabter Perlenzüchter, sondern auch ein guter Geschäftsmann und ein großer Marketingstratege. Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass Kokichi Mikimoto die Perlengeschichte der Neuzeit begründet hat. Wahrscheinlich wäre ohne ihn die Geschichte der Perlen auch anders verlaufen. Noch heute genießt daher der Name "Mikimoto" in Perlenkreisen den allerbesten Ruf. Seine Perlen waren so perfekt, dass man sich in Ihnen spiegeln konnte.

Mikimoto setzte dazu einen runden Kalkkern (Nucleus) in die Gonade der Perlenauster ein und konnte so die ersten Zuchtperlen erzeugen. Diese auch Perlen Implantation genannte Technik war wirklich ein Quantensprung in der Perlengeschichte, weil nun erstmalig vom Menschen geschaffene Zuchtperlen in den Handel kamen. Ab sofort war man nicht mehr auf zufällig gefundene Naturperlen angewiesen. Jetzt konnte der Perlenzüchter die Perlen nach Bedarf produzieren und vermarkten. Die nun folgende fabrikmäßge Perlenzucht führte sehr schnell zu günstigeren Perlen Preisen und so war es möglich, dass erstmalig "normale" Menschen Perlen tragen konnten.

In den 1970er Jahren entwickelte man schlussendlich auch noch das heute bekannte Verfahren zur Produktion von Süßwasserperlen durch Epitheleintrag in die Perlenmuschel. Die Süßwasser Perlenmuschel ist dadurch in der Lage, bis zu 50 Perlen gleichzeitig zu produzieren. Die einsetzende Massenproduktion von "billigem" Süßwasser Perlenschmuck überschwemmte so den weltweiten Handel. Preiswerter Perlenschmuck ist nun bereits für wenige Euros zu erhalten.

Man sollte in diesem Zusammenhang auch noch die schönen Mabeperlen erwähnen, welche bis heute einen großen Zuspruch finden. Mabeperlen entstehen ja nicht in der Gonade der Muschel, sondern auf der Innenseite der Muschelwandung, durch aufgeklebte Halbschalen. Diese werden ebenfalls mit Perlmutt überzogen und später ausgeschnitten, bzw. mit einem Perlmuttdeckel versehen. Genau die gleiche Technik wurde übrigens vor tausenden von Jahren auch von den Chinesen verwendet, um mit Perlmutt überzogene Buddhafiguren zu erzeugen. So wiederholt sich in diesem Falle also wieder die Geschichte der Perle.

Wie geht die Geschichte der Perlen weiter ?
Die Überproduktion von billigst gezüchteten Süßwasserperlen hat seit ca. 2015 glücklicherweise ein Ende gefunden. Immer mehr Perlenzüchter setzen nun auf das Prinzig "Klasse statt Masse". Dies ist zum einen den mittlerweile stark gestiegenen Löhnen der asiatischen Arbeiter geschuldet. Zum anderen haben auch die Chinesen erkannt, dass ein wirtschaftlich gesundes Wachstum nur dann funktioniert, wenn man ökonomische Spielregeln beachtet. Viele Gewässer in China waren schließlich so verschmutzt, dass die Perlenmuscheln einfach keine guten Perlen mehr erzeugen konnten. Schlechte Perlenstränge für wenige Cent werden zwar hier und da noch immer produziert; es gibt aber immer weniger Abnehmer für solche Perlen. Die Zukunft gehört eindeutig den ökologisch und verantwortlich erzeugten, hochwertigen Zuchtperlen.

Neu ist auch, dass immer mehr Süßwasserperlen mit eingesetztem Kern gezüchtet werden. Diese Zuchtmethode wird ja sonst nur für Salzwasserperlen verwendet. Während man früher ausschließlich ein winziges Stück Epithelgewebe in die Gonade der Perlenmuschel einsetzte und auf eine runde Süßwasserperle hoffte, so hilft man heute mit der Implantation eines rundes Kerns nach und gibt so die runde Form mit. Die so erzeugten Süßwasserperlen können heute bereits bis zu 20mm groß, aber auch sehr kostspielig werden.
Die Zuchtbedingungen werden immer weiter optimiert. Heutzutage sind sogar Biologen Bestandteil einer jeden professionellen Perlenzucht. Es wird alles gemessen und überwacht. Regelmäßig säubern Taucher die Käfige mit den Muscheln, um ein optimales Wachstum zu erreichen. Man setzt mittlerweile sogar Röntgengeräte ein, um bei hochwertigen Perlen den Zuchtvorgang zu überwachen und festzustellen, ob die Muschel den Kern angenommen hat.

Seit einigen Jahren hat auch die gezielte Produktion von riesigen Barockperlen mit eingesetzten Kern modische Trends gesetzt. Man kann daher in vielen Hochglanzmagazinen diese riesigen barocken Süßwasserperlen bewundern.
Es gibt nun auch wieder erste Zuchtanlagen in Japan, die die alte Tradition der hochwertigen Süßwasserperlen (siehe Biwaperlen) aufnehmen und in kleinem Umfang sehr hochwertige Frischwasserperlen-Süßwasserperlen mit perfektem Lüster erzeugen.

Was wird die Zukunft der Perlen mit sich bringen ?
Die Geschichte der Perlen ist nicht zu Ende und geht immer weiter. Ökologie und Ökonomie sind aber heute zentrale Punkte einer jeden Perlenzucht. Die Massenproduktion zu Lasten der Umwelt hat keine Zukunft. Die Perlenzucht wird weiter perfektioniert und lässt uns hoffen, dass noch einige neue Perlengeschichten geschrieben werden. Wir freuen uns darauf, auch in den nächsten Jahrzehnten neue Perlentrends auszumachen und Ihnen davon zu berichten.